Der Mindestlohn ist seit langem eine Forderung der Gewerkschaften gewesen. Das „seit langem“ bedeutet weit vor dem Zweiten Weltkrieg, letztlich waren die Tarifverträge nichts anderes als ein branchenabhängiger Mindestlohn. In Deutschland gab es sogar 1929 schon eine Verordnung zum Mindestlohn. Man hatte entsprechende Empfehlungen der Internationalen Arbeitsorganisation des Völkerbundes übernommen. Zu einem wirklichen Mindestlohn für alle kam es aber nicht. 1970 unternahm die International Labour Organisation (ILO) einen neuen Versuch. Sie beschloss eine Absichtserklärung zur Einführung von Mindestlöhnen. Immerhin haben sich dem 51 der 181 Mitgliedsstaaten bereits angeschlossen und heute gibt es in über 90 Prozent der Mitgliedsländer einen Mindestlohn.

Lange Kampagne führte zum Erfolg

In Deutschland war es vor allem er DGB, der immer wieder einen gesetzlichen Mindestlohn forderte. Im Jahr 2007 startete der Gewerkschaftsbund einen bundesweite Kampagne unter dem Motto „Deutschland braucht den Mindestlohn”. Es wurden Touren durch ganz Deutschland organisiert, mit vielen Ständen in Fußgängerzonen und auf öffentlichen Plätzen. Ziel war es, Druck auf die Politik zu machen, aber auch die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Man wollte vor allem eine grundsätzliche Akzeptanz eines gesetzlichen Mindestlohn schaffen.

Die SPD schloss sich dem recht schnell an, auch wegen der historischen Nähe zu DBG. Im Jahr 2008 nahmen Wirtschaftsminister Scholz und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sogar an einer Schiffstour des DGB durchs Regierungsviertel teil, die unter dem Thema „Löhne über Wasser halten” stand. 2008 begann dann auch der Bundestag über Mindestlöhne zu diskutieren, zunächst noch auf Branchen bezogene. Die Kampagne hatte einen lange Atem, der sich am Ende auszahlte. Im Juli 2014 wurde im Deutschen Bundestag das Tarifautonomiestärkungsgesetz verabschiedet und auch vom Bundesrat angenommen. Damit wurde unter anderem ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt. Interessant ist, dass das Gesetz auch mit den Stimmen der Opposition beschlossen wurde. 535 Abgeordnete stimmten dafür, 5 dagegen, 61 enthielten sich. Harsche Kritik kam von der Linken, denen das Gesetz nicht weit genug ging und die einen Lohn von 10 Euro pro Stunde forderte.