Die Forderung nach einem Mindestlohn sah sich immer der Kritik von FDP, CDU und den Wirtschaftsverbänden ausgesetzt. Sie befürchteten vor allem einen Verlust der Lohnautonomie und eine Einschränkung des Arbeitsmarktes. Im März 2008, als der DGB seine Mindestlohnkampagne startete, gab es dagegen einen Aufruf der Wirtschaftsinstitute. Sie befürchteten, dass der Mindestlohn (damals noch als Forderung von 7.50 Euro) das Systems der marktwirtschaftlichen Ordnung in seinen Grundfesten erschüttern würde. Der Präsident des Info-Instituts, Hans-Werner Sinn, malte das Szenario von einer Millionen verlorenen Arbeitsplätze an die Wand.

Angst um die Kaufkraft

Die Gegner des Mindestlohns argumentierten auch, dass Schulabgänger keinen Anreiz hätten, eine Ausbildung zu machen, weil sie ja ohnehin schon eine Mindestlohn bekommen. Ähnliche Befürchtungen gab es auch für den Weiterbildungsbereich. Auch die Deutsche Bank berechnete einen Verlust von 450.000 bis zu einer Million Arbeitsplätzen. Außerdem sah man die Kaufkraft schwinden, weil es mehr Arbeitslose gäbe als Nutzer des Mindestlohns.

In den Kampagnen gegen den Mindestlohn wurden zum einen Studien aus anderen Ländern, zum anderen aber auch wirtschaftstheoretische Argumente angeführt. Die Vertreter des freien Marktes wehrten sich gegen jede Einschränkung, auch des Arbeitsmarktes. Sie argumentierten, dass auch der Lohn ein Gut sei, dessen Preis vom Markt gerecht geregelt würde. Bei den Studien gab es allerdings gemischte Ergebnisse. So konnte zwar für Frankreich eine Verringerung von Arbeitsplätzen nachgewiesen werden, aber nicht den befürchteten Größenordnungen. In vielen Ländern hatte der Mindestlohn einen positiven Effekt. Geringe Nachteile gab es zwar auch, aber in geringen Ausmaß, vor allem bei jugendlichen Arbeitnehmern.

Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Die Kampagnen gegen den Mindestlohn wurden vor allem von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft geführt. Diese wurde ursprünglich von den Metall-Arbeitgebern ins Leben gerufen und galt als wirtschaftsliberale PR-Plattform der Wirtschaftsunternehmen. Die Initiative versuchte vor allem mit der Entsendung von Experten in TV-Fragerunden und zu Zeitungsredaktionen das öffentliche Bewusstsein zu beeinflussen. Der Widerstand gegen einen Mindestlohn war aber nur einer von vielen Versuchen der Einflussnahme auf die Politik.